Es war das große Verdienst des Sudanforschers und Kunsttheoretikers Fritz W. Kramer, in „Der rote Fes“ die kulturkonstituierende Kraft der Fremdwahrnehmung für die heutige deutschsprachige Ethnologie zum Bewusstsein gebracht zu haben. Während in der rationalistischen Fachtradition die Daseinsbewältigung, der „Stoffwechsel mit der Natur“ (Karl Marx) zur Befriedigung primärer und sekundärer Bedürfnisse (Bronislaw Malinowski) im Zentrum stand, versuchte Kramer die – oft erschreckende – Begegnung mit Fremdheit als immer sprudelnde Quelle emotionaler wie geistiger Produktivität herauszuarbeiten, ein Verhältnis zum „Anderen“, das dank seiner Asymmetrien und Ambivalenzen die menschliche Kultur in fortwährender Unruhe hält.
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